Die Konzeption des Mädchentreff Bella
Einleitung
Der Mädchentreff Bella besteht seit Mai 1991 als einzige eigenständige
Einrichtung nur für Mädchen im Bezirk Steglitz.
Ursprünglich gehörte das Haus zum Bereich der offenen Jugendarbeit
der ev. Kirchengemeinde Giesensdorf Lichterfelde . Durch den Wunsch nach Umstrukturierung
und durch personellen Wechsel bot sich 1991 die Möglichkeit, Bella
ausschließlich der Mädchenarbeit zur Verfügung zu stellen. Dafür
wurde von der ev. Gemeinde eine Sozialarbeiterin eingestellt, die dort einen
Treffpunkt nur für Mädchen einrichtete.
In dieser Zeit gab es sowohl offene, als auch geschlossene Mädchengruppen
mit verschiedenen Aktivitäten und Projekten mit Öffnungen auch am
Wochenende.
Ende 1996 wurde die Arbeitsstelle eingespart und wechselnde Honorarkräfte
führten seither engagierte, aber minimierte Angebote durch.
Ab Juli 1998 wurden z.B. vom Bezirksamt Steglitz finanzierte künstlerische
Projekte für Mädchen angeboten.
Durch die Mittel des Senatsprogramms Jugend mit Zukunft -Wochenendöffnung
entstand wieder eine feste Gruppe
Im April 2000 startete im Bella ein nur durch ABM Kräfte getragenes
Projekt mit geschlossenen Mädchengruppen zum Thema Tanz, Theater und Show.
Dieses Projekt war befristet bis April 2002 und wird übergangsweise nun
per Honorarvereinbarungen weitergeführt.
Im Juni 2002 wurde die Trägerschaft der Einrichtung von der ev. Kirchengemeinde
Petrus-Giesensdorf dem Holzkirche e.V. Verein für soziale Arbeit , Kinder-
und Jugendarbeit übertragen, der nun die Entwicklung einer längerfristigen
Perspektive anstrebt und bereits seit jeher kooperierend an der Arbeit mitwirkte.
Eine Mädchenarbeit für Lichterfelde-Süd, ausgehend vom Standort
Bella, ist erklärtes Ziel der Arbeit.
1. Einzugsbereich
Der Einzugsbereich des Mädchentreff Bella erstreckt sich vom
Ostpreußendamm, vom westlichen Teil Lichterfeldes bis zur Stadtgrenze
in Richtung Teltow, zu beiden Seiten der Osdorfer Strasse und reicht dort von
der sogenannten Thermometersiedlung, Woltmannweg und Scheelestraße bis
zum Lichterfelder Ring.
Zum Teil kommen auch Mädchen aus anderen Bereichen Steglitz-Zehlendorfs.
Die Angebote im Bella richten sich z.Zt. vor allem an Mädchen
im Alter zwischen 8 und 16 Jahren.
2. Institutionelle Gegebenheiten
Der Mädchentreff Bella liegt inmitten eines Gartens hinter
dem Gemeindehaus der ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf am Ostpreußendamm
64 in Berlin Lichterfelde. Weder Haus noch Garten sind von der Straße
aus einzusehen. Die geschützte Lage bietet viele Möglichkeiten für
Außenaktivitäten. Das Haus selber besteht aus einem ca. 30 m²
großen Raum, der sowohl als Aufenthaltsraum, Küche und Büro
benutzt wird und zwei Wasch- und Toilettenräumen, von denen einer als Abstellkammer
dient. Im Haus finden auch Besprechungen und z.T. Gruppenaktivitäten statt.
Über eine Treppe ist ein ca. 35 m² großer Rundbau im Souterrain
zu erreichen, der den zweiten Raum bildet. Hier bietet sich die Gelegenheit
zu Verkleidungsaktionen und Spielen, zu Mal- und Gestaltungsaktivitäten
und vielem mehr. Zur Zeit befinden sich hier auch der Kostümfundus, Requisiten
und Spielelemente.
Training, Körperarbeit und Proben, für die viel Platz und ein geeigneter
Boden nötig sind, finden meist im Gemeindesaal statt.
Der Mädchentreff Bella gehört weiterhin zum Grundbesitz der ev. Petrus-Giesensdorf Kirchengemeinde. Sie stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung., Für die weitere Finanzierung und Konzeptionsentwicklung ist seit 06/2002 per Kooperationsvertrag der Holzkirche e.V. zuständig.
3. Zielgruppe, Angebote und Methoden
Die Zielgruppe im Bella sind Mädchen im Alter von z.Zt. 8 -
16 J. besonders aus der Region Lichterfelde Süd.
Bis 04/2002 arbeiteten vier Mitarbeiterinnen als ABM und z. Zt als Honorarkräfte
in fünf geschlossenen Mädchengruppen, deren Gruppenstärke bei
9 bis 20 Teilnehmerinnen liegt.
Jede Gruppe trifft sich fortlaufend einmal pro Woche für 1-3 Std.
Die Gruppenangebote sind:
Tanztheater (9 - 12 J. ), HipHop ( ab 12 J. ), Kunstwerkstatt (ab 9 J.), Spielspaßtreff
( 8-13 J.) und Theater ( 9 - 12 J.).
Die kontinuierliche Arbeit an einem Tanz., Theater- und Kunstprojekt, das die
Mitarbeiterinnen in den letzten zwei Jahren durchgeführt haben, führte
zu ausschließlich festen Gruppen. Die Teilnahme ist zeitlich unbegrenzt,
aber verbindlich, d.h. die Mädchen sollen sich an- bzw. abmelden und bei
wichtigen Fehlgründen telefonisch absagen.
Es gibt feste Bella-Regeln, die zusammen mit den Mädchen aufgestellt
und gegebenenfalls. überarbeitet werden.
Die Mädchen zahlen einen geringen Monatsbeitrag ( z. Zt. 5.-€ ) für
Lebensmittel und besondere Aktivitäten.
Die Themen, Methoden und Materialien variieren in den Gruppen und richten sich
nach Bedarf und Möglichkeiten der Mädchen und der Einrichtung. Die
Ergebnisse der Gruppenarbeit greifen ineinander, da Bella regelmäßig
Aufführungen zeigt. Während die Tanz- und Theatergruppen für
die Auftritte ihrer selbsterdachten Stücke proben, malen und gestalten
die Mädchen der übrigen Gruppen für das Bühnenbild, die
Requisiten und die Kostüme. Dadurch entsteht zusätzlich ein übergeordnetes
Zusammengehörigkeitsgefühl. Gemeinsame Wochenendfahrten und Feste
unterstützen dieses Erleben.
Als Erweiterung der Angebote finden für Alle in den Ferien spezielle Workshops
verschiedener Art statt (z.B. Artistik, Gestalten mit ungewöhnlichen Materialien,
aber auch Renovierungsarbeiten, Geschichtsprojekte u.a.).
Die Mädchen sollen sich für Bella verantwortlich fühlen,
d.h. sie sollen sich für die Ordnung von Material und Einrichtung einsetzen
und zum weiteren Erhalt der Einrichtung beitragen.
Zwei Mitarbeiterinnen haben an einer Fortbildung für Mediation und Gewaltprävention
teilgenommen und bringen diese Erfahrungen in die Arbeit ein.
Die Beratung von Mädchen und jungen Frauen wird ausgebaut werden.
4. Grundverständnis und Ziele
Das Grundverständnis der Arbeit im Mädchentreff Bella
leitet sich ab aus: §9 Abs.3 KJHG, §3 Abs.2 AG KJHG, §6 Abs.2
Satz2 AG KJHG und §6 Abs.3 Pkt.4 AG KJHG.
Hierin wird ausgeführt Mädchen in ihren Fähigkeiten und ihrer
Persönlichkeit jenseits von einengenden Zuschreibungen von Weiblichkeit
zu unterstützen und sie zu selbständigem, verantwortungsbewusstem
Handeln unter Berücksichtigung ihrer besonderen sozialen und kulturellen
Bedürfnisse und Eigenarten zu ermutigen.
Vor dem Hintergrund der politischen, geschlechtsdemokratischen Querschnittsaufgabe,
die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und
Männern zu fördern und auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinzuwirken
(entsprechend Art.3 Abs.2 GG) soll die Arbeit im Bella folgende
Ziele haben:
a. Es soll die Möglichkeit geben, dass Mädchen in einem eigenen,
geschützten Raum durch gemeinsame, kreative Aktionen und Interaktionen
ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln und die Kraft gemeinschaftlichen Handelns
kennen lernen können.
Indem sich die Mädchen mit ihren Fähigkeiten und Grenzen auseinandersetzen,
können sie ihre Kreativität entdecken und entwickeln und so Authentizität
und Selbständigkeit erlangen.
b. Den Mädchen soll eine zukunftsweisende Orientierung vermittelt
werden. Individuelle Freiräume und Erfolgserlebnisse helfen ihnen, ihre
unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse einzubringen. So lernen sie,
selbstbestimmt ihr Leben zu planen und ihre Zukunft mit allen darin enthaltenen
Möglichkeiten in die Hand zu nehmen.
c. Die Geschichte und die gesellschaftliche Situation von Mädchen
und Frauen soll bewusst gemacht und eine Öffentlichkeit für ihre Interessen
hergestellt werden.
d. Die Interessen der Mädchen sind vorrangig, an ihnen orientieren
sich Form und Inhalte der Arbeit.
Die Mädchen sollen bei den Treffen Spaß haben.
e. Ausgehend vom Standort Bella werden innovative Angebote
für Mädchen der Region Lichterfelde Süd entwickelt und nach Möglichkeit
auch darüber hinaus umgesetzt.
5. Kooperation und Vernetzung
Die Arbeit im Bella unterliegt durch Kooperation und Vernetzung
dem ständigen Austausch und der Reflexion.
Die Einrichtung Bella arbeitet besonders mit der ev. Petrus-Giesensdorf
Gemeinde, dem Holzkirche e.V. und dem BA Steglitz Zehlendorf zusammen und nimmt
an mehreren Gremien und AGs teil.
6. Bedarf, Perspektiven
Der Mädchentreff Bella ist im Stadtteil Steglitz-Zehlendorf
die einzige Einrichtung ausschließlich für Mädchen.
Schon aus diesem Grund ist der Zulauf besonders der 8-12 Jährigen, die
in diesem Alter noch gerne unter sich sind, sehr groß.
Im Einzugsbereich des Bella liegen mehrere Schulen. Hier hat sich
neben der Werbung mit Plakaten und Handzetteln die persönliche Ansprache
der Mädchen für die Gruppenbildung bewährt. Nicht zuletzt durch
die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Mitarbeiterinnen ist es mittlerweile
zu einer hohen Frequentierung im Bella mit derzeit mehr als 60 Mädchen
gekommen.
Hinsichtlich ihrer Nationalität, Konfessionszugehörigkeit, sozialer
Herkunft und ihres Bildungsstandes weist die Bevölkerungsstruktur im Einzugsgebiet
eine Vielschichtigkeit auf. Im Bella treffen daher sowohl Mädchen
aus gutbürgerlichem Haus als auch solche aus den untersten Sozialschichten
zusammen. Viele kommen aus problematischen Elternhäusern, sind Scheidungskinder,
haben alkoholkranke Elternteile u.a. Diese Mädchen profitieren im Bella
genauso wie die aus behütetem Hause von Projekten wie z.B.
GewalTick, in dem es um Gewaltprävention und Konfliktlösung
ging. Die Gemeinschaft in der Gruppe führt dabei zu einem besseren gegenseitigen
Verständnis.
Die Mädchenarbeit im Bella konnte sich in der Zeit vom 1.4.2000
bis 31.3.2002 mittels der vier ABM-Stellen großzügig entfalten. Da
nach Ablauf des Projektes die Arbeit im Bella über Honorare
nur sehr mühsam aufrecht erhalten werden kann, gilt es neue Finanzierungen
zu finden um diese einzigartige Einrichtung zu erhalten und weiter auszubauen.
Seit Juni 2002 ist der Holzkirche e.V. Träger des Mädchentreff
Bella, der bereits mit seinem Kinder und Jugendhaus Holzkirche in der
Region arbeitet und seit längerem Erfahrung mit Finanzierungen von Projekten
freier Träger hat. Verhandlungen mit dem Arbeitsamt über die Möglichkeiten
neuer ABM Maßnahmen, dem Bezirksamt, sowie mit dem Kirchenkreis Steglitz
über Projektfinanzierung stehen an.
Eine Installierung von Mädchenarbeit auch an anderen Orten in der Region,
besonders in der Thermometersiedlung, ist wichtiges Ziel.
Stand 06/ 2002
Constantin T. Huth ( Holzkirche e.V.)